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Gedenktafel ihrer Bestimmung übergeben

Samstag, 08. September 2012

Um 10 Uhr begann die Feier im Palais Liechtenstein zur Enthüllung unserer Gedenktafel. Die Liste der Ehrengäste war lang und prominent besetzt. Nach Ansprachen von Präsident Erich Sinor und Vizepräsident Mag. Walter Pohl sowie einer Lesung aus dem Tagebuch einer damaligen Begleiterin der Kindertransporte, wurde die Gedenktafel kurz nach 11 Uhr neben dem Hauptportal des Gartenpalais Liechtenstein feierlich enthüllt und ihrer Bestimmung übergeben.

Dr. Urs Breiter, SSgt. Nina Kázibwe, Dr. Werner Kerschbaum, Erich Sinor, Dr. Kurt Novak, Dr. Franz Küberl

S.E. Dr. U. Breiter, SSgt. N. Kázibwe, Dr. W. Kerschbaum, E. Sinor, K. Novak, Dr. F. Küberl

Nach mehr als einem Jahr intensiver Vorbereitungsarbeiten war es am 7. September 2012 endlich so weit. Der Herkulessaal des Gartenpalais Liechtenstein, in dem vor fast siebzig Jahren die von Hunger und Krankheit gezeichneten Kinder aus Österreich für ihre Reise zu Pflegefamilien in die Schweiz und nach Liechtenstein versammelt wurden, war festlich geschmückt und bildete den würdevollen Rahmen für die Veranstaltung.

Neben etwa zweihundert ehemaligen „Schweizerkindern“ - unter ihnen auch die damals 7-jährige Silvia Novak, die als zehntausendstes Kind aus Wien ihre Reise zu Pflegeeltern in die Schweiz antrat -, zwei ehemaligen Begleitschwestern der Kindertransporte und zahlreichen Medienvertretern waren auch hochrangige Ehrengäste zu der Feier erschienen:

• S.E. Dr. Urs Breiter - Botschafter d. Schweiz
• SSgt. Nina Kázibwe - Botschaft der Vereinigten Staaten
• Dr. Franz Küberl - Präsident d. Caritas Österreich
• Dr. Werner Kerschbaum - Generalsekretär d. ÖRK
• Marco Jullier - Stabschef d. SRK
• Nicole Windlin - Leiterin des Suchdienstes d. SRK
• Mag. Erich Fenninger - Bundesgeschäftsführer d. Volkshilfe Österreich
• Mag. Thomas Hennefeld - Evang. Landessuperintendent (H.B.)
• Mag. Michael Chalupka - Direktor d. Diakonie Österreich
• Mag. Susanne Ranetzky - MR d. BMeiA
• Prof. Dr. Elisabeth Vitouch - Abgeordnete zum Wiener Landtag

Ihre Durchlaucht Fürstin Marie von und zu Liechtenstein konnte wegen anderer Verpflichtungen leider nicht an der Feier teilnehmen, übermittelte jedoch ihre Grüße und Wünsche für ein gutes Gelingen der Feier.

Um 10 Uhr eröffnete Präsident Erich Sinor die Feier mit einer Dankesrede, die an die Vertreter der Hilfsorganisationen und zahlreichen Einzelpersonen gerichtet war, die bei der damaligen Hilfsaktion im Hintergrund oder direkt vor Ort tätig waren und verband diese mit einem Spendenaufruf zugunsten diverser Hilfsorganisationen.

Im Folgenden einige Auszüge der Eröffnungsrede:

„[…] Gerade auch nach uns kommende Generationen sollen daran erinnert werden, dass uns nach dem Krieg von Ihnen geholfen wurde und wie viel Liebe und Fürsorge uns nach dem Zweiten Weltkrieg entgegengebracht wurde.

Wir ehemaligen Schweizerkinder erfüllen heute den letzten Punkt unseres Leitgedanken: Erinnern - bedanken - und nicht vergessen lassen. […]

[…] Vor 67 Jahren saßen in diesen Räumlichkeiten hunderte Kinder, die in einen Alptraum hineingeboren wurden, der als eines der wohl finstersten Kapitel der Menschheit in die Geschichte einging. Kinder, deren Leben von Geburt an von Bombenangriffen, Sirenen, Hunger, Angst und Zerstörung geprägt waren.

Viele der heute hier anwesenden können sich noch gut daran erinnern wie es war, zum ersten Mal von der Mutter getrennt zu werden um zur Erholung in ein damals für uns fernes Land zu fremden Menschen gebracht zu werden. Ihre Väter kannten viele der Kinder gar nicht, weil sie im Krieg gefallen oder noch in Kriegsgefangenschaft waren.

Hier im Gartenpalais Liechtenstein traten wir eine Reise an, von der wir damals freilich noch nicht einmal ansatzweise ahnen konnten, wie positiv und nachhaltig sie unser späteres Leben prägen sollte. Eine Reise an die wir voller Dankbarkeit und Freude zurückblicken. Eine Reise ins Paradies zu Menschen, die uns mit offenen Armen und Herzen in ihrer wunderbaren Welt willkommen hießen. […]

[…] Danke für die unglaubliche Verantwortung die Sie auf sich genommen haben, so viele Kinder bei Pflegefamilien unterzubringen und sie auch wohlbehalten wieder zu ihren Eltern nachhause zu bringen.

Danke für die Zuwendung und Fürsorge die sie uns zuteilwerden ließen wenn wir Heimweh und Sehnsucht nach unseren Müttern und Vätern hatten.

Danke, dass wir damals zum ersten Mal erleben durften was es bedeutet in Frieden zu leben, genug zu essen zu haben und keine Angst vor der nächsten Nacht im Luftschutzkeller haben zu müssen.

Danke, dass wir erfahren durften was Mitmenschlichkeit bedeutet und wie schön das Leben sein kann ohne Hass, Misstrauen, Krieg und allgegenwärtiger Angst.

Danke für das Leben das wir, durch all die uns zuteil gewordene Hilfe, auch unseren Kindern schenken durften.

Und Danke, dass Sie heute unserer Einladung gefolgt sind um unseren Dank aus ganzem Herzen entgegenzunehmen. […]

[…] Uns wurde damals ein kleines Licht in unsere Herzen gesetzt. Ein kleines Licht am Ende eines finsteren Tunnels in den wir hineingeboren wurden. Ein Licht welches bis heute in uns brennt und das wir gerne an die nach uns kommenden Generationen weitergeben möchten. Auch im Gedenken daran, dass ohne Ihre Hilfe, der eine oder andere unserer Nachfahren gar nicht am Leben wäre.“

Danach folgte eine Rede des Vizepräsidenten des Clubs Mag. Walter Pohl, der unter anderem auch auf die historische Entstehungsgeschichte der humanitären Hilfsorganisationen Bezug nahm.

Einer der Höhepunkte dieses Festaktes war der Auftritt von Frau Elsi Aellig, einer ehemaligen Begleiterin der Kindertransporte, die Ausschnitte aus einem Tagebuch ihrer damaligen Kollegin Frau Dori Pochon (†) zum Vortrage brachte. Hier wurde Zeitgeschichte hautnah und auf eindrucksvolle Weise wieder ganz lebendig und spürbar.

Nach musikalischen Darbietungen einer Gruppe von Alphornbläsern, einer Filmzuspielung aus verschiedenen Dokumentationen und Wochenschau-Berichten und einer kurzen Dia-Show, ging es vom Herkulessaal zum eigentlichen Höhepunkt der Veranstaltung - der feierlichen Enthüllung der Gedenktafel vor dem Palais, die gleichzeitig auch den würdevollen Abschluss dieser gelungenen Veranstaltung bildete.

Gedenktafel am Gartenpalais Liechtenstein

In diesem Zusammenhang möchte sich der Initiator und Organisator der Gedenktafel, Präsident Erich Sinor sehr herzlich bei seiner Durchlaucht Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein und seiner Gattin Durchlaucht Fürstin Marie von und zu Liechtenstein für die Genehmigung, die Gedenktafel an diesem geschichtsträchtigen Ort anbringen zu dürfen und für den würdevollen Rahmen der Veranstaltung bedanken.

Dank an dieser Stelle speziell auch an das Team des Palais Liechtenstein - Erich Urban (Geschäftsführung), Mag. Bernhard Krytinar (Director of Operations) sowie Mag. Julia Holter (PR & Kommunikation) für die zuvorkommende und freundliche Unterstützung während der intensiven Vorbereitungsphase dieses Projektes.

Gedankt sei auch Herrn Abteilungsinspektor Wolfgang Trsek von der Polizeiinspektion Julius Tandler Platz für die verkehrs- und sicherheitstechnische Organisation und Durchführung vor dem Palais.

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Zusätzliche Links

Newsletter der Schweizer Botschaft, Wien (November 2012)
Bericht auf der Website des Österreichischen Roten Kreuzes
Pressemitteilung des Palais Liechtenstein
Pressemitteilung der Kathpress
Bericht der Kronen Zeitung

Den vom ORF in der Sendung „Heute in Österreich“ ausgestrahlten Beitrag sowie einen Bericht aus der Radiosendung „Kirche Aktuell“ von Radio Stephansdom finden sie in unserer Mediathek

Die „Schweizer Revue“, eine Zeitschrift für Auslandschweizer, zitiert auf Seite 8 ihrer Regionalausgabe für Österreich und Zentraleuropa, Nr. 5/12 - Oktober 2012, Auszüge aus dem Beitrag auf unserer Website.