Schiffsbrücke lockt Tausende zum See

Das hat der See noch nicht erlebt und der Rest der Welt auch nicht: Ãœber 2000 Boote mit über 10 000 Menschen an Bord haben gestern eine über elf Kilometer lange Schiffsbrücke von Friedrichshafen nach Romanshorn geschlagen.

Erinnerung an die Schweizer Hilfe für deutsche und österreichische Kinder vor 60 Jahren einerseits, Hinweis auf die Tatsache, dass auch heute noch Kinder in aller Welt Not leiden andererseits – das war das Ziel der Schiffsbrücke. Um 12.30 Uhr legten “Hohentwiel”, “Thurgau” und “Austria” begleitet von fünf Salutschüssen der Bürgergarde in Friedrichshafen ab, um an der Brücke entlang nach Romanshorn zu fahren.

SchiffsbrückeSchon bald war klar: Experiment geglückt. Die Weiße Flotte und Ruderachter, stattliche Yachten und kleine Jollen, Kiesschiffe und Schlauchboote – alle sind dabei. Über 2000 Boote zählte die Wasserschutzpolizei später.

Obwohl auf der “Hohentwiel” gerade das Essen serviert wird, stürmt gegen 13.30 Uhr alles an den Bug des ehrwürdigen Dampfers. Der Höhepunkt, das Schweizer Kreuz, naht. In der Mitte: die Do 24, als Kreuzbalken “Euregia”, “Hohentwiel”, “Thurgau” und “Austria”. Das Manöver klappt, allerdings musste die Polizei vorher rund ums Flugboot für Ordnung sorgen. Einigen Kapitänen war angesichts des silbernen Vogels die Neugierde durchgegangen.

“Ansonsten hat alles prima funktioniert. Keine besonderen Zwischenfälle”

berichtete später Heinz Unglert, Chef der Häfler Wasserschutzpolizei, der die Veranstaltung mitorganisierte und den grö&szlih;ten Einsatz seines Lebens leitete.

Auch der Staatsminister knipst

ZeppelinNicht nur auf dem Wasser ging es rund. In der Luft wurden unter anderem eine Do 27 und eine Ju 52 gesichtet, auch ein Zeppelin war mit von der Partie, mindestens vier Hubschrauber wurden gezählt. Die Szenerie beeindruckt, da griff selbst Staatsminister Gernot Erler begeistert zur Digitalkamera. Marion Berg, vom Organisationskomittee der Schiffsbrücke und im Hauptberuf Öffentlichkeitsarbeiterin für den Zeppelin NT, ist völlig begeistert:

“Monatelang plant man was. Dann wird es Wirklichkeit, und alles ist noch viel besser als gedacht. Wunderbar.”

In Romanshorn wurden die Passagierschiffe freudig begrüßt. “Schweizer Kinder” aus Deutschland und Österreich übergaben Geschenke für bedürftige Kinder in der Eidgenossenschaft. Mit dabei: der deutsche Botschafter in Bern, Andreas von Stechow. Der Diplomat – vor 60 Jahren selbst ein Schweizer Kind:

“Heute ist der Tag, an dem ich Danke sagen darf. Ich habe damals das große Herz, die menschliche Wärme der Schweizer gespürt.”

Über 180 000 Kinder aus ganz Europa, davon 44 000 aus Deutschland, wurden nach dem Krieg in die Schweiz eingeladen und dort aufgepäppelt, viele für einen Tag, manche für Monate. Daran wollte die Schiffsbrücke erinnern.

Auch an Land verfolgen zahlreiche Menschen das Spektakel. Allein in Friedrichshafen zählte die Polizei 40 000 Schaulustige bei der größten Schiffsbrücke der Welt.

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