Historisches

Vor 64 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Die Nachkriegszeit war geprägt von Entbehrungen. Es fehlte praktisch an allem. Besonders betroffen waren die Kinder. Ohne die Hilfe ausländischer Hilfsorganisationen wären manche von ihnen wahrscheinlich auf der Strecke geblieben. In besonderer Erinnerung blieb vielen Betroffenen die humanitäre Kinderhilfe der Schweiz.

AbreiseDie Schweiz organisierte mit Hilfe des Roten Kreuzes, der Caritas und anderen Hilfsorganisationen einen dreimonatigen Aufenthalt bei “Pflegeeltern” in der Schweiz (Portugal usw.) Hunderttausend Kinder wurden ab 1945 quer durch das zerbombte Europa in die Schweiz transportiert. Vielen dieser Kinder wurde dadurch wahrscheinlich das Leben gerettet. In Österreich nannte man sie “Schweizerkinder” in der Schweiz gab man ihnen den Namen “Öschrichli”. Die Transporte wurden unter Aufsicht amerikanischer Truppen durchgeführt.

Vom 5. Juni 1946 stammt diese Meldung der Ratshauskorrespondez:

Über Einladung des Bürgermeisters versammelten sich die Vertreter und Mitarbeiter der ausländischen Hilfsaktionen, die in Wien derzeit tätig sind, im Rathaus. Vertreten waren: Das Internationale Rote Kreuz, die Schweizerspende, das Schweizer Rote Kreuz und die Schweizer Kinderhilfe, die Schweizer Arbeiterhilfe, die Schweizer Caritas, die Quäker-Hilfe der Schweiz und Schwedens, eine Gruppe von Schweizer Stadträten unter der Führung der Stadt Zürich, die Schwedenhilfe, die Dänenhilfe, das Britische Rote Kreuz und das Amerikanische Friends Service Comitee.

Bürgermeister Dr. Theodor KörnerBürgermeister Körner dankte allen ausländischen Organisationen für die umfassenden Hilfsaktionen und vor allem für die Art und Weise, wie sie ihre Hilfe anbieten. Namens der Gäste hielt Chefdelegierter Walter Füllemann eine Ansprache und führte u.a. aus:

Wir alle sind nach Wien gekommen um der schwer heimgesuchten Bevölkerung Hilfe zu bringen. Wir alle erfüllen nur eine elementare Pflicht, besonders die Länder, die vom Krieg verschont geblieben sind, haben gewissermaßen eine Dankesschuld abzutragen. Zu dieser Dankesschuld ist vor allem die freundnachbarliche Schweiz verpflichtet. Nach den Schweizern sind auch die Dänen und Schweden auf dem Platz erschienen. Spenden für die notleidende Bevölkerung von Österreich kommen aber auch aus England, Amerika und Südafrika, welche teils von der Caritas und den jüdischen Hilfsorganisationen sowie der unermüdlichen Gesellschaft der Freunde, den Quäkern, zur Verteilung gelangen. Nicht zu vergessen ist die substanzielle Irenspende, die vom irischen Volk durch das Vereinigte Hilfswerk des Roten Kreuzes in Genf dem IKvRK zur Verteilung und freien Verfügung steht.

Die Nachbarschaftshilfe ist umso bemerkenswerter, als auch die Schweizer in der Bodenseeregion Not leiden. Die Lebensmittel sind rationiert, die Väter sind an der Grenze im Aktivdienst und Hitler-Deutschland war bis kurzem noch der gefürchtete Feind. Der Historiker Georg Thürer, Initiator der Schweizer Grenzlandhilfe, war davon überzeugt, dass den Schweizern die Pflicht auferlegt sei, Mitverantwortung dafür zu übernehmen,

…dass inmitten Europas nicht ein Seuchenherd entsteht und nicht der Hunger der gelbe Herold Hitlers II. werde.